Ask the Investors – Event Startup Campus Switzerland

Luis Alvarez
Dec 02, 2025By Luis Alvarez

Was Investoren wirklich sehen wollen – und warum viele Startups an den Grundlagen scheitern

Ein Erfahrungsbericht vom „Ask the Investors“-Panel von Startup Campus Switzerland vom 1. Dezember 2025.

Funding entscheidet nicht zwingend über Erfolg oder Misserfolg eines Startups – aber es entscheidet darüber, ob ein Startup Zeit gewinnt, um sein Produkt, seinen Markt und seine Struktur aufzubauen. Trotzdem scheitern jedes Jahr unzählige Gründer nicht am Produkt, sondern an fehlender Klarheit und unrealistischen Annahmen.

Beim Event „Ask the Investors: What Really Wins Funding?“ von Startup Campus Switzerland sprachen gleich fünf hochkarätige Investorinnen und Investoren so offen wie selten über die Realität hinter den Kulissen:

 • Katja Einesalo – Impact-driven Investor & Advisor
 • Hans Dellenbach – Senior Partner & CFO, Emerald Technology Ventures
 • Kelly Carroll – Venture Investor & Business Advisor
 • Guy Giuffredi – Co-Founder & General Partner, Koyo Capital
 • Dr. Johann Schlieper – Startup Coach, Business Angel & Board Member

Fünf verschiedene Blickwinkel – von Impact Investing über Venture Capital bis hin zu Business Angels – aber eine bemerkenswerte gemeinsame Linie: Transparenz, Glaubwürdigkeit und belastbare Zahlen schlagen jedes Produktversprechen.

Dieser Beitrag fasst die wichtigsten Learnings zusammen – aus Sicht derjenigen, die jedes Jahr hunderte Pitch Decks prüfen, Dutzende Due Diligences durchführen und Millionen in die Teams investieren, denen sie wirklich vertrauen.

1. Vertrauen entsteht nicht im Pitch – sondern in der Beziehung davor


Ein Satz fiel mehrfach – und er erklärt fast alles: „Wir investieren in Menschen, nicht in Slides.“

Investoren spüren innerhalb von Minuten, ob ein Team glaubwürdig ist. Vertrauen entsteht durch:

 • realistische Worte
 • ehrliche Risikoabschätzung
 • ein Team, das gemeinsam auftritt
 • saubere Kommunikation
 • Offenheit gegenüber Feedback

Die grösste Red Flag war eindeutig:
Wenn das Team Bullshit redet, ist das Produkt meistens nicht weit davon entfernt.

2. Pitch Decks sind keine Formalität – sie entscheiden in 30 Sekunden

Venture Capital's sehen jährlich über 2’500 Pitch Decks! Keiner der Investoren ruft jemanden an, um „nachzufragen“. Das Deck muss sofort funktionieren.

Was Investoren erwarten:
 • Klarheit über das Problem
 • Wer bezahlt für die Lösung?
 • Ein realer Impact, kein Marketing-Satz
 • Zahlen, die logisch und belastbar sind
 • Ein Team, das Energie, Fokus und Ownership ausstrahlt

Und vor allem: Ein einziges Pitch Deck – nicht zwei Versionen von zwei Gründern.

3. Venture Capital vs. Business Angels – zwei Welten, zwei Logiken

Viele Gründer verstehen nicht, wie unterschiedlich VCs und Angels denken. Dabei ist dieses Verständnis entscheidend für die Wahl der richtigen Finanzierung.

Business Angels:
 • investieren sehr früh
 • investieren privates Geld
 • suchen einen Money Multiple "10x" + gute Chemie + persönliche Beziehung
 • entscheiden schneller, pragmatischer
 • sind nicht abhängig von riesigen Multiples
 • moderate Erwartungen an Wachstum, dafür viel Wert auf Vertrauen, Team, Nähe

Einer sagte: „Wir investieren wie in eine Beziehung. Wir verbringen Jahre miteinander – es muss passen.“

Venture Capital (VC):
 • investieren grössere Beträge
 • verwalten Fonds, daher hoher Druck auf Rendite
 • brauchen einen Money Multiple von min. 40x–100x 
 • denken in 5–10 Jahren Fund-Life
 • prüfen alles: Vertriebszahlen, Kundeninterviews, Unit Economics
 • wollen klare Skalierbarkeit, grosse Margen und klare Exit-Logik

Der Satz, der hängen blieb: „Jedes Startup verspricht einen Hockey-Stick. Nur 1 % hat einen.“ Kurz gesagt: Angels investieren ins Team. VCs investieren in die Skalierbarkeit.

4. Das Finanzmodell: Der Realitätstest

Hier wurde der Ton besonders deutlich: „Wir rechnen jedes Finanzmodell nach. Jede Zeile.“ Ein Finanzmodell ist kein Wunschkonzert. Es ist eine Hypothese über die Zukunft – und Investoren prüfen, ob diese Hypothese realistisch ist.

Typische Fehler:
 • zu optimistische Umsatz-Annahmen
 • kein sauberer Cashflow
 • kein Verständnis von Unterschiedlichen Zielgruppen wie Industrie VS. Retail
 • nur ein Szenario statt drei (Worst / Realistic / Best)
 • Zahlen passen nicht zum Pitch
 • keine Logik, wie Skalierung tatsächlich wirkt

Unrealistische Zahlen zerstören Vertrauen. Realistische Zahlen bauen es auf.

5. Was Investoren im Team wirklich sehen wollen

Viele Startups bestehen aus Tech-Gründern, die exzellent entwickeln – aber nie verkaufen. Doch Investoren sagten unisono:

„Wir investieren nicht in die besten Entwickler. Wir investieren in Gründer, die verkaufen können.“

Der Grund: Ein Produkt, das nicht verkauft wird, existiert nicht.

Wichtige Faktoren:
 • mindestens ein Gründungsmitglied muss Industrieerfahrung haben
 • frühe Kundengespräche sind wichtig für das Businessmodell
 • validierte Umsätze (keine Pilotkunden)
 • ein relevantes Advisory Board
 • Coachability der Gründer 
 • Energie & Commitment

Ein spannender Input kam: Second-time Founders haben massive Vorteile. Sie kennen die Fehler bereits und können New-Founders mit dem Know-how unterstützen.

6. Die Red Flags, die sofort Vertrauen zerstören

Hier wurde es konkret. Zu den grössten Red Flags gehören:
 • Founder erzählen unterschiedliche Geschichten
 • Intransparenz bei Problemen
 • fehlende Dokumente im Due Diligence Verfahren
 • zu hohe Founder-Löhne
 • KPIs werden diskutiert statt angenommen
 • Geheimniskrämerei bei IP oder Technik
 • Forderungen wie „Ich brauche Geld in 5 Wochen“
 • Finanzmodell widerspricht dem Pitch Deck


Der härteste, aber wichtigste Satz war: „Wenn der Founder nicht absolut committed ist, sind wir raus!“

7. Was ein Startup VOR einer Finanzierungsrunde erreicht haben MUSS

Nicht optional – sondern notwendig:
 • Product-Market-Fit
 • signifikanter Vertrieb
 • echte Wachstums-Tendenz
 • funktionierendes Reporting
 • belastbarer Businessplan
 • klare Roadmap
 • Team, das liefern kann


Innerhalb von 3–6 Monaten muss sichtbar werden: Das Startup folgt dem Plan, wird immer besser und erfüllt die KPI-Erwartungen.

8. Wie Gründer aktiv Vertrauen aufbauen können

Viele Gründer unterschätzen diesen Punkt: Vertrauen entsteht nicht im Pitch, sondern in der Beziehung davor.

Praktische Tipps für eine gute Investor-Beziehung:
 • Investoren früh kennenlernen (LinkedIn, Events)
 • proaktiv kommunizieren – auch schlechte News
 • realistische Zeitpläne
 • Probleme inkl. Lösung transparent erklären
 • zeitnahe Follow-ups nach Pitch-Gewinn
 • ehrliche Diskussionen statt Perfektionsfassade
 • ein bisschen Humor darf sein – ja, wirklich!


Einer der Investoren sagte:
„Wir wollen auch Spass haben. Wir begleiten euch Jahre. Das muss menschlich passen.“

Fazit

Dieser Abend zeigte klar: Startups scheitern selten am Produkt. Sie scheitern an:
 • unrealistischen Finanzmodellen
 • mangelndem Verkaufsfokus
 • fehlender Transparenz
 • schwachem Teamauftritt
 • fehlendem Vertrauen


Und genau hier liegt der Unterschied zwischen Erfolg und Scheitern. Als Sparringpartner begleite ich Gründer in genau diesen Themen:

Struktur. Positionierung. Finanzmodellierung. Realität statt Wunschdenken.

Wenn dein Startup Klarheit braucht – oder dein Modell den nächsten Investorenstand halten soll – melde dich gerne bei mir via Mail.